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Deutschland Schweiz Preisvergleich (Teil 2)

Der Deutschland-Schweiz-Preisvergleich ist im Xing-Forum  “Deutsche in Zürich” auf Resonanz gestoßen. (Zitat: “Prima Beitrag Frau Popp! In der Schweiz niedrige Steuern zahlen und hohes Gehalt einstreichen und dann in Deutschland günstig einkaufen Kommt bei den Schweizern sicher gut an… )

In der NZZ wurde unter anderem dies zum Thema gemacht.  Auf nzz-online sind gleich zwei ausführliche Artikel dazu zu finden. In Die Schweiz ist Spitze bei den Preisen wird den Ursachen der Hochpreisinsel Schweiz auf den Grund gegangen.

Neben den “national unterschiedlichen sozial- und umweltpolitischen Regulierungen, aus Qualitäts-, Lohn- und Standortfaktorunterschieden” (das ist also das, wovon ich laut Herrn Schmidt Nutznießer bin und weswegen mich mein schlechtes Gewissen plagen sollte, wenn ich bei meinen Besuchen in Deutschland einen Supermarkt aufsuche) wird auch der “geringeren Wettbewerbsintensität auf den Schweizer Gütermärkten eine ebenso gewichtige Ursache für die Preisunterschiede” zugesprochen. “Darunter fallen jede Art von Marktmacht (z. B. vertikale Vereinbarungen) und wettbewerbspolitische Regulierungen wie Zölle oder Marktzugangsbarrieren”.

Der Artikel verweist auch auf die volkswirtschaftlichen Schäden, die das mit sich bringt.

Der zweite Artikel Weg von der Hochpreisinsel befasst sich mit solch unmoralischen Konsumenten (wie mir), die “mit den Füssen abstimmen” und im Ausland einkaufen.

Zitat:
“Sollten die Konsumenten, die im Ausland einkaufen, von Gewissensbissen geplagt sein? Aus volkswirtschaftlicher Perspektive ist es durchaus erwünscht, wenn die privaten Einkäufer Arbitrage betreiben und Preisdifferenzen zu ihren Gunsten ausnützen. Dennoch scheint man gerade im Detailhandel Einkaufstouristen in letzter Zeit als unsoziale Profiteure brandmarken zu wollen. Mit ihren Abstechern ins Ausland, so heisst es, gefährdeten sie heimische Arbeitsplätze. Wirtschaftsminister Schneider-Ammann, der in einem Interview am Schweizer Fernsehen unlängst Verständnis für Ausland-Einkäufe gezeigt hatte, sah sich vonseiten des Boulevards massiver Kritik ausgesetzt. “

Der Autor kommt zu dem Schluss

“Wünschbar wäre indessen, dass sich der Detailhandel, statt das angeblich unpatriotische Verhalten der Konsumenten anzuprangern und die Marktabschottung so implizit zu rechtfertigen, in eine ähnliche Richtung bewegen würde wie die Einkaufstouristen; auch die Grossverteiler sollten den starken Franken nutzen und vermehrt Einkäufe im Ausland tätigen.”

Wie sehen das andere – Deutsche und Schweizer? Als Konsumenten sitzen wir doch alle in einem Boot.

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4 Kommentare
  1. Insomnia #

    Ich lebe in einer Region, wo es seit Jahrzehnten Einkaufstourismus in die Niederlande und nach Belgien gibt. Übrigens auch umgekehrt. Das ist ja selten eine Einbahnstrasse. Ich habe noch nie mitbekommen, dass das als unmoralisch diskutiert wurde. Potentiell problematisch finde ich weniger, dass Einkäufe im Ausland stattfinden, sondern dass die Leute teilweise vergessen, die Benzinpreise für die Anfahrt in die Kalkulation mit einzubeziehen. Das betrifft aber nicht nur Einkäufe im Ausland, sondern generell “auf der grünen Wiese”.

    11. August 2011
    • Im Prinzip hast du natürlich recht. Doch durch den schwachen Euro ist die durchschnittliche Preisersparnis bei einem Einkauf hinter der Grenze mittlerweile hier so groß geworden, dass es sich auf jeden Fall lohnt. Teilweise kosten die Produkte in Deutschland weniger als die Hälfte, Zeitschriften zum Beispiel oder Kosmetikprodukte. Pampers-Windeln sollen in der Schweiz 2,5 x so viel kosten, wie in Deutschland. Und das merkt man. Am Samstag waren wir in Deutschland – 30 km von Zürich. Auf dem Parkplatz des EDEKA waren zu 90 % Schweizer Kennzeichen zu sehen.

      11. August 2011
  2. Insomnia #

    Dass das so krass ist, war mir nicht klar. Trotzdem finde ich, dass es falsch ist, das Problem auf der Patriotismus-Ebene zu behandeln. Wir leben halt in einer Marktwirtschaft, bei der Konsumentscheidungen sehr stark über den Preis getroffen werden. Das ist das System, und das gilt doch vermutlich auch für die Schweiz. Die Leute, die nach Deutschland einkaufen fahren, verhalten sich absolut systemkonform. Ich finde es merkwürdig, das System ausgerechnet dann ausser Kraft setzen zu wollen, wenn Ländergrenzen betroffen sind. Dumme Frage: muss man das denn nicht verzollen?

    11. August 2011
  3. Man darf pro Person am Tag Waren für den täglichen Bedarf bis zu einer Grenze von 300 Euro zollfrei einführen. Und man kann sich auch noch die Mehrwertsteuer zurück erstatten lassen, wenn man sich die Ausfuhr an der Grenze vom Zoll bestätigen lässt. Die deutschen Supermärkte in der Grenzregion sind darauf natürlich hervorragend eingestellt. Einschränkungen gibt es für Fleisch, Alkohol und Tabak. Und ich gebe dir was die Gesetze der Marktwirtschaft absolut Recht. Viele Schweizer haben dennoch ein schlechtes Gewissen, wenn sie als Einkaufstouristen ins Nachbarland fahren. Der Nationalstolz ist hier wesentlich ausgeprägter, als bei uns. Hinzu kommt, dass viele der Meinung sind, die deutschen Lebensmittel seien weniger gut, als die Schweizer Lebensmittel. Das Schweizer Marketing arbeitet in dieser Hinsicht ganz hervorragend. Vielleicht stimmt das sogar für manche Milchprodukte (die hier sehr teuer sind) und für Fleisch (das hier unglaublich teuer ist). In Deutschland bekomme ich allerdings ich für weniger Geld Bio-Qualität. Zahlreiche Markenprodukte sind nunmal identisch – da zählen diese Argumente ohnehin nicht mehr. Manch einer fährt gerne ein bisschen weiter ins Ländle Baden-Württemberg hinein. (Vielleicht damit er nicht von Landsleuten “erwischt” wird? Doch das ist nur eine Vermutung.) Stuttgarter Kaufhäuser beispielsweise werden in der Vorweihnachtszeit gerne von Schweizern besucht – eine Freundin meiner Schwester arbeitet dort als Verkäuferin und hat davon erzählt.

    12. August 2011

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